Auf der Grundlage seiner außergewöhnlichen Kollektion von Werken, die der Tierkunst zuzuordnen sind, möchte das Museum von Vernon einen der größten Namen dieser Stilrichtung ins Rampenlicht rücken: Rosa Bonheur (1822-1899).
Die Ausstellung bietet einen Einblick in das Schaffen der Künstlerin anhand verschiedener Werke: Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen. Rosa Bonheur wuchs in einer Künstlerfamilie auf und machte sich früh durch ihr außergewöhnliches Talent in verschiedenen Kunstbereichen bemerkbar, blieb aber der Tierdarstellung eng verbunden. Der Ausstellungsparcours zeigt unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeit und hebt besonders die Studien der Pferde und Raubtiere hervor, in denen die Künstlerin ihr technisches Können und ihren geübten Blick unter Beweis stellt.
In einer Epoche, in der den Frauen der Zugang zu Kunstschulen verweigert blieb, hatte diese außergewöhnliche Frau und Künstlerin es geschafft, sich durchzusetzen. Sie war die erste Frau und Künstlerin, die mit dem Orden der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet wurde. Sie führte ein freies Leben und hatte noch zu Lebzeiten einen sehr großen Erfolg mit ihren Werken, was ihr erlaubte von ihrer Kunst zu leben.

Der Ausstellungsparcours :
Präsentation der Künstlerin
Marie-Rosalie Bonheur erblickte die Welt am 16. März 1822 in Bordeaux, als Tochter des Malerkünstlers Raymond Bonheur und der Mutter Sophie Marquis. Rosa Bonheur bewies bereits sehr früh ihr Talent für das Zeichnen, blieb aber den klassischen Studien abgeneigt, woraufhin der Vater sich entschloss sie selbst auszubilden. Im Alter von 14 Jahren erhielt sie als Kopistin Zugang zum Louvre und zeigte sich bereits sehr verbissen bei der Arbeit. Mit 19 Jahren konnte sie mit ihrem Gemälde Hasen, Karotten essend beim Pariser Salon von 1841 einen ersten Erfolg verzeichnen. Das Gemälde ist heute Eigentum des Musée des Beaux-Arts von Bordeaux. Rosa Bonheur spezialisierte sich somit auf die Tierkunst, in der sie sich auszeichnet. Sie machte vor nichts Halt und besuchte Schlachthöfe und Viehmärkte, um sich mit der Anatomie der Tiere vertraut zu machen. Ihr monumentales Werk Der Pferdemarkt, der 1853 im Salon gezeigt wurde, brachte ihr Ruhm und zahlreiche Bestellungen.

Der Pferdemarkt:
Zwischen 1851 und 1853 arbeitete Rosa Bonheur an ihrem monumentalen Werk Der Pferdemarkt. Dieses Gemälde ist 2,44 m hoch und 5,07 m lang. Beim Pariser Salon von 1853 präsentiert, war es ein riesiger Erfolg. Publikum und Kritiker waren verblüfft, dass ein solches Gemälde die Arbeit einer Frau sein konnte, zum einen wegen der Wahl des Themas und zum anderen wegen der Ausmaße des Bildes, die völlig aus der Norm waren. Das Gemälde wurde von Ernest Gambart erstanden, einem belgischen Kunsthändler, der in London lebte und später zum Agenten und guten Freund von Rosa Bonheur wurde. 1856 folgte Rosa Bonheur der Einladung Gambarts und begab sich nach England und nach Schottland, um ihr Gemälde auf einer triumphalen Tournee zu begleiten, bei der sie der Königin Victoria und dem Prinzen Albert vorgestellt wurde. Nachdem das Werk in verschiedene Hände gelangt war, wurde Der Pferdemarkt vom reichen Kunstsammler Cornelius Vanderbilt gekauft, der das Bild dem Metropolitan Museum of Art von New York schenkte, wo es noch heute ausgestellt ist.

Die Reisen:
Rosa Bonheur unternahm verschiedene Reisen in das Cantal, die Pyrenäen, nach Schottland und England und immer wieder waren sie der Anlass zu vielfachen Studien. Tiere und Landschaften wurden zunächst als eine Art Schnappschuss festgehalten, der dann in spätere Kompositionen aufgenommen wurde. Die unterwegs erfassten Landschaften waren ein Vorwand, neue Umgebungen zu entdecken, um dort neue Komposition einheimischer Tierarten zu installieren und in Szene zu setzen. Sie war von den ihr noch unbekannten Tierarten, die sie auf ihren Reisen entdeckte, begeistert. Oft musste die Kutsche anhalten, damit sie mit schnellen und präzisen Strichen die besonderen Merkmale dieser Tiere skizieren konnte. Von ihren Reisen nach Schottland und England brachte sie zahlreiche Studien über Tierarten mit nach Frankreich, die dort zur damaligen Zeit noch unbekannt waren.

Der Zufluchtsort von By:
1859 erstand Rosa Bonheur ihr Anwesen in By, am Waldrand des Forêt de Fontainebleau, im Departement Seine-et-Marne gelegen. Das Haus wurde in eine wahrhaftige Menagerie umfunktioniert in der Hirsche, Schafe, Pferde und sogar Löwen eine fast unerschöpfliche lebendige Quelle von Modellen bildeten und für zahlreiche Kompositionen verwendet wurden. Spaziergänge im nahegelegenen Wald Fontainebleau waren für Rosa Bonheur gleichfalls eine Fundgrube der Inspiration und boten Bäume, Wildschweine und Damwild in ihrem natürlichen Element dar. Die Künstlerin stand in enger Verbindung zu diesem Rahmen, der ihr Promenaden und Inspiration schenkte.
Rosa Bonheur und Buffao Bill :
Bei der Weltausstellung in Paris, im Jahre 1889, machte Rosa Bonheur mit General Cody Bekanntschaft, der mehr unter dem Namen Buffalo Bill bekannt war. Der Amerikaner begleitete seine sehr populäre Wild West Show, die sich aus Indianern, Cowboys, Bisons und Pferden zusammensetzte. Seine berühmte Nummer vom Postkutschenüberfall genoss einen großen Erfolg. Rosa Bonheur war begeistert von der Begegnung mit authentischen Indianern und Bisons. Der Aufenthalt der Truppe von Buffalo Bill war eine einzigartige Gelegenheit Symbole der amerikanischen Fauna beobachten zu können. Rosa Bonheur vervielfältigte ihre Studien über Bisons und Pferde. Die Künstlerin interessierte sich sehr für die Vereinigten Staaten, die sie, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft betraf, für eine junge und weiter entwickelte Nation hielt. Buffalo Bill und die in Amerika bekannte Künstlerin schlossen Freundschaft. Sie fertigte ein Porträt von ihm an, das die Plakate der Ausstellung inspirierte. Buffalo Bill hing sehr an diesem Portrait und eine Anekdote berichtet, dass er bei einem Brand in seinem Haus von sich rief: „Rettet den Rosa Bonheur!“

Die Familie:
Der Vater Rosa Bonheurs, Raymond Bonheur, war selbst Malerkünstler und leitete eine Kunstschule, um für den Unterhalt seiner Familie aufzukommen. Alle Geschwister wuchsen in einem künstlerischen Klima auf und waren in Kontakt mit Tierkünstlern wie Pierre-Jules Mêne, mit dem Rosa Bonheur ihr ganzes Leben lang in enger Verbindung stand und von dem sie mehrere Bronzen besaß. Raymond Bonheur erlaubte, dass seine älteste Tochter an dessen Unterricht teilnahm, in einer Epoche, in der Frauen keinen Zugang zu Kunstschulen hatten. Nicht nur Rosa konnte ihre künstlerischen Ader ausleben, auch die jüngere Schwester Juliette (1830 – 1891) und ihre Brüder Isidore (1827 – 1901) und Auguste (1824 – 1884) wurden Künstler und traten in die Fußstapfen der berühmten großen Schwester. Nach dem Tod des Vaters, im Jahre 1849, übernahm Rosa die Leitung der Kunstschule, wobei sie von ihrer jüngeren Schwester unterstützt wurde. Später überließ sie dieser die Leitung, um sich vollkommen ihrem künstlerischen Schaffen zu widmen.

Praktische Informationen:

Geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 10.30 – 18.00 Uhr
Schließtage: Montag und vereinzelte Feiertage

Tarife:

Voller Eintrittspreis: 4€
Reduzierter Eintrittspreis: 2, 50€
Kostenfrei: Jugendliche unter 26 Jahren, Lehrer, Studenten der Kunstgeschichte und
an jedem ersten Sonntag des Monats

Kontakt:

Musée A.G Poulain
12, rue du Pont 27200 Vernon
Tel. : +33/ (0)2 32 21 28 09 – Fax : +33/ (0)2 32 51 11 17
musee@vernon27.fr – http://www.vernon27.fr/Culture/MUSEE-DE-VERNON